8 Tipps für ein gescheites Scheitern

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Machen wir uns nichts vor… Niederlagen, Rückschläge und Misserfolge gehören zum Leben. Kein Unternehmer der Welt liegt mit seinen unternehmerischen Maßnahmen immer goldrichtig.

Das Entscheidende ist, und das trennt erfolgreiche von anderen Unternehmern, wie mit den Misserfolgen umgegangen wird. Wir haben heute für euch acht Tipps für ein gescheites Scheitern.

Tipp 1: Woran hat’s gelegen?

Das ist oft die erste Frage, die Sportlern nach einem verlorenen Wettkampf von den Journalisten gestellt wird. Zum Teil haben die Sportler zu diesem Zeitpunkt schon gut erkannt, woran „es gelegen hat“ aber häufig kommt auch die Antwort, man müsse, das Geschehene erst einmal analysieren, um Genaueres sagen zu können.

Die Analyse ist ein wichtiger Punkt beim Auftreten von Misserfolgen. Allerdings muss der Analysebogen dabei weit aufgespannt werden, das bedeutet es soll das ganze Umfeld des Rückschlags unter die Lupe genommen werden. Folgende Fragen, die je nach Einzelfall konkretisiert werden müssen, geben einen ersten Überblick:

  • Was ist passiert? Worin konkret besteht die Niederlage?
  • Wodurch wurde die Niederlage ausgelöst? Welche Faktoren haben dazu geführt?
  • Wo liegt der Ursprung der Niederlage?
  • Hätte die Niederlage vermieden werden können? Wenn ja, wie?
  • Wo hoch ist der Schaden? Können wir, und mit welchen kurzfristigen Mitteln, den Schaden eingrenzen?
  • Ist mit Folgeschäden zu rechnen? Wenn ja, mit welchen?

Wichtig ist, je konkreter die Ergebnisse der Analyse sind, desto sicherer können Erfahrungen für die Zukunft daraus gezogen und Maßnahmen abgeleitet werden.

Tipp 2: Strategie ≠ Maßnahme

Im unternehmerischen Sinn gibt es Visionen (Sinn und Zweck der Unternehmens), Strategien (langfristige Ausrichtung des Unternehmens) und Maßnahmen (operative, kurz bis mittelfristige Aktivitäten, um die Strategie umzusetzen).

Kommt es zu einem Scheitern ist zunächst zu prüfen, wo in diesem System, diese Niederlage einzuordnen ist. Ist der Regel, sind es operative Maßnahmen, die nicht die gewünschten Ergebnisse erbringen. Das bedeutet, nicht die ganze Strategie des Unternehmens ist in Frage zu stellen, sondern zu prüfen, welche Maßnahmen nicht optimal waren und wie sie verbessert werden können (vgl. Tipp 1) oder welche Maßnahmen eher geeignet sind, die Strategie umzusetzen

Tipp 3: Faktor Zeit bzw. schnelles Scheitern

Es gibt verschiedene Stufen von Niederlagen, angefangen bei einem schnellen und kurzen Rückschlag bis zu einem langen, kräftezehrenden und fast schon ruinösen Überlebenskampf des Unternehmens.

Es gibt Unternehmer, die sehen das Unheil kommen und versuchen unter Aufbringung von vielen Ressourcen das Ruder herumzureißen, um sich und anderen gegenüber eine mögliche, wenn auch noch so kleine, Niederlage nicht eingestehen zu müssen, was den Gesamtschaden am Ende häufig nur und unnötigerweise erhöht. Das bedeutet, Rückschläge kommen selten über Nacht und man kann davon ausgehen, dass Intensität der Rückschläge und die Zeit ihrer Ankündigung direkt proportional verlaufen.

Entscheidend ist, Fehlschläge als solche schon im Kleinen und frühzeitig (an-)zuerkennen und besonnen zu reagieren. Was jeweils zu tun ist, kann nur einzelfallabhängig betrachtet werden. Auf keinen Fall es ist sinnvoll, gar nicht zu reagieren, bisherige Maßnahmen oder Prüfung oder Änderung zu intensivieren oder vorschnell mit gegenteiligen Maßnahmen zu reagieren.

Tipp 4: Externe Kommunikation

Abhängig von Größe, Kunden- und Produktstruktur von Unternehmen, können Informationen über Niederlagen auch nach außen gelangen, bspw. bei Rückrufaktionen, negativer Berichterstattung in den Medien oder in den sozialen Medien.

Inwieweit ein Unternehmen den dadurch drohenden Schaden minimieren kann, hängt wiederum vom Umgang mit dem Misserfolg und der Kommunikation nach außen ab. Kunden, Medienrezensenten und/oder Investoren haben ein natürliches Interesse daran, so offen und ehrlich wie möglich informiert zu werden. Daher gilt hierbei die Prämisse Fehler offen und ehrlich einzugestehen, Prüfungen und Verbesserungen ankündigen, aber nicht auf öffentliche Diskussionen und Rechtfertigungen einlassen oder, was noch schlimmer ist, andere beschuldigen.

Alle Zusagen und Ankündigungen müssen zeitnah erfüllt und die Ergebnisse proaktiv nach außen kommuniziert werden.

Tipp 5: Interne Kommunikation

Das ehrliche und offene Anerkenntnis von Niederschlägen gehört nicht nur zur externen, sondern auch zur internen Kommunikation, abhängig auch von der Tragweite der Misserfolge. Internet Stakeholder, wie Eigentümer, Mitarbeiter und Besitzer von Beteiligungen haben ein noch stärker motiviertes Interesse daran, dass das Unternehmen Misserfolge möglichst gut und mit Erfahrungen für die Zukunft übersteht.

Eine entsprechende interne Kommunikation schafft nicht nur Vertrauen, sondern, und sofern die Unternehmensführung dies zulässt, häufig auch Loyalität der Mitarbeiter und den festen Willen, gemeinsam daran zu arbeiten, dass es wieder bergauf geht.

Schon die Mitarbeiter von schließungs- und insolvenzbedrohten Unternehmen wie Schlecker, Karstadt, Quelle und Opel haben in der jüngsten Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen, welche Bedeutung Motivation und Wille der Mitarbeiter im Unternehmen, unabhängig des späteren Ausgangs, haben können.

Tipp 6: Emotionale Verarbeitung

Ja, Unternehmer sind Menschen, die häufig einen hohes Maß an Verantwortungsgefühl für ihr Unternehmen und seine Mitarbeiter besitzen und daher auch einen besonders hohen Maßstab an sich als Unternehmer und Menschen anlegen. So ist es leicht vorstellbar, dass die Menschen, die tagtäglich Entscheidungen fällen, von denen andere Menschen und ihr Auskommen unter Umständen abhängen, emotional nicht immer unbeschadet als Fehlschlägen hervorgehen. Das gilt insbesondere für Existenzgründer und Jungunternehmer, die trotz allem Willen und Wollen häufig noch keine gefestigte Existenz haben.

Demzufolge ist es wichtig, dass es den Entscheidern gelingt, ihre Persönlichkeit oder ihr Sein von der Niederlage abzugrenzen und das Scheitern objektiv, ohne Schuldfrage oder Infragestellen der Unternehmerberechtigung, zu betrachten und die geeigneten Maßnahmen daraus zu ziehen. Das erforderte ein hohes Maß an Resilienz. Hierbei kann auch externe Unterstützung durch einen Coach hilfreiche Dienste leisten.

Tipp 7: Unterstützung holen

Nicht nur für die emotionale Verarbeitung, sondern für einen gesamten Prüfprozess kann es sinnvoll sein, sich interne Unterstützung durch erfahrende Berater oder Coaches zu holen. Das gilt zum Beispiel für Existenzgründer und Jungunternehmer, die vielfach allein oder in kleinen Teams agieren. Verschiedene Faktoren, wie Betriebsblindheit, überhöhter Eifer, fehlender Erfahrung oder Know-How in bestimmten Bereichen, können dazu führen, dass Niederschlagen auftreten, die Fehler und Ursachen intern oder allein nicht erkannt werden.

Externe Berater verfügen häufig über die entsprechende Erfahrung und das erforderliche Know-How, aber auch über die nötige Objektivität.

Tipp 8: Vorbeugen

Wie überall im Leben gilt auch hier „Vorsorge ist besser als Nachsorge“. Gerade viele Existenzgründer und Jungunternehmer haben kein gesichertes Controlling in ihrem Unternehmen. Dabei muss es sich noch nicht einmal um ein ausgefeiltes System von Kontroll- und Steuerungsmechanismen handeln. Oft reichen einige wichtige Kennzahlen und Berichte, die, wenn sie regelmäßig erstellt und geprüft werden, schon ein gutes Maß an Sicherheit bringen können. Bei allen unternehmerischen Entscheidungen, die mit einem gewissen Risiko verbunden sind, ist es wichtig ein Risikomanagement zu etablieren. Dazu kann in kleinen Unternehmen schon ausreichen, eine bestimmte Risikostufe zuzuordnen, die Entscheidungen regelmäßig zu prüfen, vorab Plan-B-Maßnahmen zu definieren und festzulegen, bei welchen Ergebnissen diese zum Einsatz kommen sollen.

 

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