Kann jedes Start-up erfolgreich sein?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten? Oder doch? Wir wollen uns einer möglichen Antwort aus drei Perspektiven annähern.

Annäherung 1: Was ist Erfolg?

Dazu sollte man sich die Fragen stellen: „Was bedeutet eigentlich Erfolg (für mich)? Wann ist (m)ein Start-up oder ein Gründer erfolgreich?“ Fragt man Unternehmer und Gründer, was für sie Erfolg bedeutet, sind die Antworten darauf sicherlich so individuell wie ihre Unternehmen.

Erfolg ist demnach mit den persönlichen Werten der Unternehmer verbunden und natürlich auch die Grundlage für die Zieldefinition. Das bedeutet, Erfolg ist das Erreichen persönlicher Ziele.

Wenn ein Gründer, für den finanzielle Unabhängigkeit und finanzielle Sicherheit sehr wichtige Wert sind, ein erfolgreiches Unternehmen gründen möchte, wird er seine Entscheidungen mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Mehrung von Vermögen sowie finanziellen Werten ausrichten. Ein anderer Unternehmer, der mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte, wird seine Arbeitskraft und -energie so einsetzen, dass er zwar ein finanzielles Auskommen hat, aber nur bis zu dem Punkt, an dem die zeitliche Unabhängigkeit und freie Zeit mehr wert werden, als ein zusätzlich verdienter Euro.

Das bedeutet, ein Gründer oder Unternehmer sollte sich und seine Werte gut erforschen und herausfinden, welche die drei bis fünf die wichtigsten Werte sind, diese motivieren ihn, sind aber auch der Treibstoff für die unternehmerischen Entscheidungen. Wer aus den wichtigsten Werten eine Wertehierarchie bildet, kann daraus die eigenen Ziele und Entscheidungen gut hinterfragen.

Annäherung 2: Innovation oder klassisches Geschäftsmodell?

Doch was für ein Unternehmen soll man gründen? Vielfach ist im Internet und in Büchern von innovativen Geschäftsmodellen zu lesen. Kaum jemand propagiert die Öffnung einer Bäckerei um die Ecke oder eines Eiscafés. Viel zu traditionell und gewöhnlich scheint solch ein Vorhaben. Deutlich lukrativer und zukunftsträchtiger erscheinen innovative Start-ups, wie sie heute vielfach in den Gründerzentren entstehen.

Es darf aber nicht vergessen werden, dass die wenigsten der jährlich neu gegründeten Unternehmen fokussiert auf Innovationen sind. Es gibt immer noch sehr viele Unternehmen, die zu den traditionellen Bereichen gezählt werden können und bei denen sich ein Gründer auf klassische Produkte und Dienstleistungen konzentriert, bspw. im Handwerk, in der Gastronomie sowie in der Beratung und im Coaching. Das ist auch wichtig, denn zahlreiche Gründer sind in eher klassischen Arbeitsbereichen ausgebildet und qualifiziert. Wie sollen sie hoch innovative Start-ups umsetzen, wenn sie nicht das anwenden können, was sie ausmacht und wovon sie am meisten Ahnung haben?

Es muss somit gesagt werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und der Gründer seine Hausaufgaben gut macht, kann ein Unternehmen mit einem klassischen Geschäftsmodell, gemessen an den Definitionen der Gründer, sehr erfolgreich sein.

Annäherung 3: Organisches oder Investoren unterstütztes Wachstum?

Die nicht selten millionenhohen Investitionsbeträge für innovative Unternehmen und Start-ups können den Eindruck vermitteln, dass ein erfolgreiches Unternehmen Investorengelder benötigt. Organisches Wachstum, d.h. Wachstum aus eigener Finanzierungskraft, kann jedoch nicht nur die Unabhängigkeit des Unternehmers sicherstellen, sondern ein Unternehmen langfristig auf sichere Füßen stellen. Außerdem steht nirgendwo geschrieben, dass ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein, innerhalb eines Jahres fünf Mitarbeiter einstellen und fünf- oder gar sechsstellige Monatsumsätze erbringen muss. Viele Unternehmer arbeiten über Jahre hinweg allein oder mit einem Partner und sind ebenso erfolgreich.

Das bedeutet, und hier schließt sich der Kreis, ein Unternehmen kann genauso gut erfolgreich sein, wenn der Gründer über viele Jahre mit seinem Unternehmen die Gewinne macht, die er braucht, um ein erfülltes Leben zu führen. Derjenige oder diejenige hilft Menschen, Hürden des Alltags zu überwinden oder ein gesünderes Leben zu führen, schreibt Ratgeber, die das Lernen revolutionieren oder unterstützt Mitarbeiter darin, ihre Konflikte anzusprechen oder wirksam zu kommunizieren. Manchmal sind die Unternehmen so klein und unscheinbar und können für die Unternehmer und ihre Kunden einen ungeheuren Mehrwert bieten.

Und aus persönlicher Sicht gesehen, ist jeder Unternehmer erfolgreich, wenn er seine Berufung gefunden hat und mit dem seinen Tag verbringt bzw. Lebensunterhalt verdient, das er am meisten liebt und das die meiste positive Lebensenergie freiwerden lässt.

Yvonne Kaiser

Yvonne Kaiser

Nach langjähriger Tätigkeit in Führungspositionen für eine der weltweit größten Airlines, hat Diplom-­Kauffrau Yvonne Kaiser ihre Leidenschaft für das Akademische Schreiben zum Beruf gemacht und ist seit 2008 als freie Autorin und Gründerin der Wissenschaftsberatung „Die wissen’s!“ sowie seit 2014 mit dem Beratungs- und Coachingunternehmen KeyConcept erfolgreich am Markt etabliert. Ihr Produktportfolio reicht von der akademischen und Unternehmensberatung, über Persönlichkeits- und Businesscoaching bis zur wissenschaftlichen und nicht wissen-­‐ schaftlichen Texterstellung für höchste Ansprüche.
Yvonne Kaiser