Endstation Insolvenz: Locomore geht das Geld aus

Das Bahn-Startup Locomore gibt auf. Nachdem die Finanzreserven des alternativen Fernzugbetreibers aufgebraucht sind, zieht dieser die Notbremse.

Das Berliner Startup Locomore hat kein Geld mehr. Daher habe man sich nun entschlossen den Insolvenzantrag zu stellen. Locomore war zum Teil über die Crowd finanziert worden und hatte bereits in einer ersten Runde etwa 200.000 euro eingesammelt. Das war Anfang 2016, wo viele Unterstützer ein Reiseguthaben als Gegenleistung gewählt haben, das heute womöglich schon verfahren wurde. Ob diese Unterstützer nun finanzielle Verluste erleiden werden, steht noch dahin. Bis Mitte März hatte Locomore insgesamt 900.000 Euro Kapital eingeworben, später folgten dann noch Nachrangdarlehen ab 2.000 Euro, die eine Verzinsung ab 3,5% aufweisen. Als dann jedoch ein Schlüsselinvestor in letzter Sekunde absprang, war das vorläufige Ende besiegelt. Der Insolvenzverwalter hofft nun darauf, dass der Geschäftsbetrieb nicht dauerhaft eingestellt werden muss.

70.000 Fahrgäste

Die knallig orangenen Züge von Locomore bestanden aus alten, wiederaufgearbeiteten Wagen und bedienten täglich die Verbindung Stuttgart / Berlin mit den Unterwegs-Bahnhöfen Vaihingen (Enz), Heidelberg Hbf, Darmstadt Hbf, Frankfurt (Main) Süd, Hanau Hbf, Fulda, Kassel-Wilhelmshöhe, Göttingen, Hannover Hbf, Wolfsburg Hbf, Berlin Zoo, Berlin Hbf, Berlin Ostbahnhof und Endbahnhof Berlin-Lichtenberg. Gestartet wurde mit vier Wagen, angepeilt wurde eine maximale Auslastung von 500 Fahrgästen, doch die Züge blieben zu oft leer. Bereits auf der ersten Testfahrt waren mehr Journalisten als Fahrgäste anwesend. Insgesamt soll Locomore rund 70.000 Fahrgäste befördert haben. Die Fahrt dauerte etwas über sieben Stunden.

Locomore versuchte sich durch günstigere Preise und merkbare Unterschiede zum DB-Einerlei vom normalen Fernzugreisen abzugrenzen. Die Züge waren in Themenabteile gegliedert, Steckdosen und vor allem Gratis-WLAN hat Locomore realisiert, lange bevor es die Bahn im ICE zum Standard erhob. Alle Tickets werden mit Sitzplatzanspruch erworben, Überbucht fuhr kein Zug. Nicht nur der an Bord verkaufte Kaffee ist fair gehandelt und ökologisch angebaut, auch der Strom, mit dem die bis zu 200 kmh schnellen Züge fuhren, ist Ökostrom. Locomore versuchte eine Alternative auf die Schiene zu bringen, für die die Deutschen nicht bereit waren. 

Es zeigt sich: Bahn fahren ist teuer. – nicht nur für die Reisenden, auch die Betreiber sehen sich mit gewaltigen Kosten konfrontiert, um ein eigenes schienenbasiertes kommerzielles Transportunternehmen erfolgreich am Markt zu etablieren und vor allem auch zu halten. Die Crowd, so scheint es, trägt diese Art zu reisen leider nicht.

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