Die Wutprobe! Management by Vulkanausbruch

Management und Mitarbeiterführung sind heute vor allem geprägt durch gegenseitige Wertschätzung, Fairness und Respekt. Die unternehmerische Weisungsgebundenheit der Mitarbeiter endet nicht selten darin, dass Führungskräfte und Chefs ihre Angestellten darum bitten, die ihnen übertragenen Aufgaben zu erledigen, sich anschließend dafür bedanken und bei auftretenden Fehlern oder Lustlosigkeiten, die ja an der Portemonnaie des Unternehmers oder den Ruf des Unternehmers gehen, an den Mitarbeiter appellieren, das nächste Mal doch etwas umsichtiger oder motivierter zu sein, wobei eben jene Kritik auf keinen Fall gegen die Persönlichkeit des Unternehmers gerichtet ist.

Unter dem Mantel dieser Wertschätzung brodelt jedoch nicht selten bei den Chefs und Führungskräften das Feuer der Leidenschaft, die dem Mitarbeiter mal gehörig den Kopf zurechtrücken möchte. Für einigen Jahren waren derartige Wutausbrüche durch Chefs und Manager noch deutlich häufiger an der Tagesordnung. Diese Manager mit einer häufig ausgeprägten narzisstischen Neigung wollen vor allem eins: Erfolgreich sein und siegen, unter allen Umständen. Und sie sind oder waren es auch, denke man an Bill Gates (Mircosoft), Steve Jobbs (Apple), Jeff Bezos (Amazon) und Martin Winterkorn (VW).

 

„Das ist der allergrößte und verfluchteste Scheiß, der mir je untergekommen ist“

Nach Aussagen des Biografen soll Jeff Bezoz seine Mitarbeiter regelmäßig damit gedroht haben, sich umzubringen, falls eine Idee noch einmal vorgebracht werden würde. Richard Fuld, letzter CEO von Lehmann Brothers, der auch den Beinamen ‚Gorilla‘ trägt, sagte einmal: „Ich möchte ihre Herzen herausreißen und aufessen, bevor sie Zeit hatten zu sterben.“ Auch Bill Gates soll ein Sklaventreiber (gewesen) sein, der seine Mitarbeiter mit den Worten: „Das ist der allergrößte und verfluchteste Scheiß, der mir je untergekommen ist“ traktierte. Dov Charney, Gründer des Unternehmens American Apparel, soll Mitarbeiter gewürgt haben, in Unterhosen im Unternehmen erschienen sein und vor einer Journalistin masturbiert haben. Seine Ausfälle wurden zum Problem für das Unternehmen und es gab Vorwürfe von sexueller Belästigung von Angestellten.

Die Hardliner, Exzentriker und Kampfhunde der Manager sind heute deutlich stiller geworden und vor allem in deutschen Unternehmen findet man sie fast nur noch in Familienunternehmen. Diese können sich einen autokratischen und für sie authentischen Führungsstil auch leisten, haben sie das Unternehmen maßgeblich und nicht sollten unter vollem Risiko und Ressourceneinsatz im Alleingang aufgebaut.

Hierbei geht es jedoch nicht darum, die eigenen Mitarbeiter zu verletzen oder zu schwächen, bzw. die eigene Macht und Überlegenheit darzustellen. Gewollt ist, die Aggressionen bewusst und gezielt einzusetzen. Die Frage ist demnach, welcher Chef seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen motivieren kann? Der, der gemacht werden will oder der, der den Erfolg des Unternehmens fest im Blick hat und die Potenziale der Mitarbeiter bis zum letzten Quantum herausholen möchte. Welches Lob wirkt motivierender, ein hart erkämpftes und ehrlich gemeintes oder die Floskel aus dem Lehrbuch? Unternehmens- und Mitarbeiterführung beinhalten nicht nur das Wort Führung, es geht auch um Führung und zwar darum, Einfluss auf andere zu gewinnen und auszuüben, dazu zählen Mitarbeiter, Kunden, Investoren, Öffentlichkeit usw..

 

Wie funktioniert nun also Management by Wutausbruch?

  • Tipp 1: Emotionen zulassen und gezielt steuern
    Weder Manager noch ihre Mitarbeiter sind stets innerlich ruhig und ausgeglichen. Wichtig ist, Gefühle wie Unmut, Ärger und Wut als solche zu bestimmen und die Ursache herauszufinden. Anschließend können sie konstruktiv eingesetzt und zum Ausdruck gebracht werden.
  • Tipp 2: Zielkongruenz
    Das Ziel bestimmt die Wahl der Mittel und darf nicht aus den Augen gelassen werden. Darum ist zu prüfen, ob in einem bestimmten Fall das kooperative Gespräch einem emotionalen Feuerwerk vorzuziehen ist.
  • Tipp 3: Bewusst explodieren
    Ein Vulkanausbruch befreit nicht nur den Manager, sondern schafft Eindruck und reinigt die Luft. Er sollte jedoch überlegt und zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Und auch hierbei sind Grenzen der Persönlichkeit und des Anstands nicht außer Acht zu lassen.
  • Tipp 4: Erfolg vor Liebe
    Erfolgreich als Führungskraft oder beliebt als durchsetzungsschwacher Loser? Erfolg ist wichtiger als Gemochtwerden. Erfolg aus Respekt und Furcht können zuweilen ungeahnte Leistungspotenziale bei Mitarbeitern wecken.
  • Tipp 5: Kultur wahren
    Jedes Unternehmen und jeder Mitarbeiter hat seine eigene Kultur. Die damit verbundenen Werte und Regeln sind auch bei einem Wutausbruch zu beachten.
  • Tipp 6: Disziplinierte Aggression
    Zusammenfassend ist festzuhalten, lohnt es sich auf jeden Fall, in sich hineinzuhören und zu schauen, inwieweit man als Führungskraft ein solches Managementverhalten an den Tag legen möchte, ob es zu einem passt und ob es überhaupt angebracht erscheint. Um die Fähigkeiten zu einem konstruktiven emotionalen Feuerwerk als Führungskraft zu schulen, gibt es zahlreiche Coaches und Coaching-Ansätze, die darauf spezialisiert sind.

 

Management by Wutausbruch ist eine Methode der Unternehmens- und Mitarbeiterführung. Aggressivität, um schlechte Laune und Stress abzubauen oder aber willkürlich Mitarbeiter zu schikanieren und die eigene Macht als persönlichen Wohlfühlfaktor zu missbrauchen, wird zum Scheiten führen.

Yvonne Kaiser

Yvonne Kaiser

Nach langjähriger Tätigkeit in Führungspositionen für eine der weltweit größten Airlines, hat Diplom-­Kauffrau Yvonne Kaiser ihre Leidenschaft für das Akademische Schreiben zum Beruf gemacht und ist seit 2008 als freie Autorin und Gründerin der Wissenschaftsberatung „Die wissen’s!“ sowie seit 2014 mit dem Beratungs- und Coachingunternehmen KeyConcept erfolgreich am Markt etabliert. Ihr Produktportfolio reicht von der akademischen und Unternehmensberatung, über Persönlichkeits- und Businesscoaching bis zur wissenschaftlichen und nicht wissen-­‐ schaftlichen Texterstellung für höchste Ansprüche.
Yvonne Kaiser