5 marktunabhängige Fehler, die Gründer begehen

Es gibt viele Hürden, die mit der Gründung verbunden sein können. Einige davon sind hausgemacht und vom Gründer selbst verursacht. Fünf davon stellen wir heute vor. Vermeide diese Fehler und erhöhe deinen Businesserfolg.

1. Den Businessplan unterschätzen

Businessplan ist nicht gleich Businessplan, das ist schon mal Fakt. Das Geschäftsvorhaben kann auf 40 Seiten dargestellt werden und genauso gut auf 15. Dabei kann in der Kürze tatsächlich auch die Würze liegen. Wichtig ist, dass jeder Gründer einen Businessplan erstellen sollte. Dieser sollte nicht nur eine externe Funktion haben, um Fördermittel zu bekommen. Intern stellt der Businessplan für die Gründung und die ersten Jahre sowohl Fahrplan, als auch Ziel- und Steuerungsmaßstab dar. Dazu ist natürlich erforderlich, dass der Gründer die Ziele und Kennzahlen in seinem Plan ernst nimmt, verfolgt und auf Zielerreichung untersucht. Häufig lassen sich zeitnah Korrekturen vornehmen, die langfristig das Risiko des Scheiterns reduzieren können.

Schließlich würde heutzutage auch niemand mehr auf die Idee kommen, sich ohne Navi in einem fremden PKW oder gar ohne Führerschein in den Straßenverkehr in einer Großstadt zu stürzen. Viel zu komplex sind die Bedingungen und viel zu zahlreich die Teilnehmer im Straßenverkehr, als dass man ohne nähere Ortskenntnisse oder erst nach ewig langer Zeit mit zeit- und benzinintensiven Umwegen sicher ans Ziel kommt.

Lösung: Unbedingt einen, wenn auch kurzen, Businessplan erstellen, der dem empfohlenen Schema entspricht und das Gründungsvorhaben nicht nur kritisch prüft, sondern auf planvolle Beine stellt.

2. Das erforderliche ökonomisches Know-how unterschätzen

In einem engen Zusammenhang mit dem ersten Punkt, steht auch Punkt 2 und meint die Relevanz von ökonomischen bzw. betriebswirtschaftlichem Know-how. Dies betrifft vor allem Gründer, die aus einem fachlichen Bereich, bspw. Handwerk, oder gar aufgrund individueller Erfahrung gründen. Es mag nicht unbedingt empfehlenswert sein, aber es gibt zahlreiche Bereiche, bspw. im Handel, wo eine Gründung ohne fachliche oder überhaupt eine Qualifikation möglich ist. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Um ein Unternehmen erfolgreich führen und langfristig steuern zu können, benötigt ein Gründer ein nicht zu unterschätzendes betriebswirtschaftliches Know-how. Dies ist auch erforderlich, um adäquat Entscheidungen selbständig treffen zu können und sich nicht in Abhängigkeiten von Geschäftspartnern, Dienstleistern oder Mitarbeitern zu begeben.

Lösung: Bereits vor der Gründung die eigenen Stärken und Schwächen analysieren und überlegen, welches Wissen erworben werden muss, um Führungs- und Managementaufgaben übernehmen zu können oder die Leistung von Mitarbeitern bewerten und hinterfragen zu können. Das erforderliche Wissen kann in Kursen, Büchern, Webinaren usw. erworben werden. Ggf. unterstützen auch Gründungsberater.

3. Dritte involvieren und Abhängigkeiten schaffen

Es kommt leider viel zu häufig vor, dass Menschen ein Unternehmen gründen wollen und dabei sehr kreativ in der Beschaffung der dazu erforderlichen Ressourcen werden. Heißt, die erste Finanzspritze kommt von Oma, als Betriebswagen kann man sicherlich den Lieferwagen des Vaters nehmen, Werkzeug kann ich mir sicherlich leihen, wenn ich es brauche, Material bestelle ich erst mal, bezahlen kann ich später, Büroarbeit und Buchführung erledigt dann die Ehefrau. Das klingt erst mal vielversprechend, kann jedoch sehr schnell in die Irre führen. Zum einen lassen sich Dritte meist nicht auf Dauer für lau einspannen oder geben ihr Eigentum her. Wenn für die erforderlichen Ressourcen keine Kosten anfallen oder auf später verschoben werden, führt das schnell zu einer Verzerrung in der Finanzlage des Unternehmens und zu einer falschen Preis- und Umsatzplanung. Außerdem kann das rasch als Ausnutzen verstanden werden und wie wird reagiert, wenn die geliehenen Ressourcen plötzlich nicht mehr zur Verfügung gestellt werden oder wenn ein wichtiger Auftrag ansteht und der geliehene Betriebswagen plötzlich verweigert wird?

Lösung: Lieber gleich so planen, dass in der Gründung alle erforderlichen Materialen und Ressourcen enthalten sind. Das mag am Anfang beängstigend sein, wenn die roten Zahlen im fünfstelligen Bereich sind. Dafür hat der Gründer alle Möglichkeiten, mit seinen Ressourcen nach eigener Planung Umsätze zu generieren. Kunden absagen zu müssen, weil man kein Auto oder kein Werkzeug hat, ist viel schlimmer.

4. Aufschieberitis

Während die sog. Aufschieberitis, also das Aufschieben von Angelegenheiten, ohne eine Lösung zu erarbeiten, im privaten Leben sehr hinderlich sein, kann sie bei einem Unternehmen die Existenz ernsthaft bedrohen. Bspw. weil Rechnungen an Kunden nicht rechtzeitig geschrieben werden und deswegen die Liquidität leidet, Rechnungen von Lieferanten nicht rechtzeitig bezahlt werden, was zu einem Lieferstopp führen kann oder anderen Verpflichtungen, bspw. gegenüber Krankenkassen, dem Finanzamt oder Versicherungen nicht oder nicht zeitnah nachgekommen wird.

Die Aufschieberitis fordert viel Kraft und Energie für das wiederkehrende Erinnern von ungelösten Angelegenheiten und das Überlegen, ob und wann etwas geklärt wird. Vor allem unliebsame Themen können über Wochen die Kreativität blockieren sowie die Leistungsfähigkeit schmälern.

Lösung: Alle Themen klären, sobald sie auf den Tisch kommen. Für Angelegenheiten, die nicht sofort geklärt werden können, das erledigen, was geht und für den Rest Termine setzen, die wiederum unbedingt einzuhalten sind. Und darüber hinaus, dringend an der eigenen Einstellung arbeiten. Aufschieberitis hat auch stets mit der eigenen Konsequenz und Disziplin zu tun.

5. Den zweiten Schritt vor dem ersten machen

Ein Unternehmer benötigt eine Mission und eine klare Vision darüber, wo er in einem, drei oder fünf Jahren stehen möchte.  Diese Visionen sind jedoch davon abzugrenzen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Natürlich wird ein Gründer, wenn er erfolgreich ist, früher oder später Mitarbeiter benötigen, je nach Business vielleicht auch von Anfang an. Allerdings wäre es fatal, Stellen auszuschreiben und Mitarbeiter einzustellen, bevor klar ist, welche Aufgaben sie übernehmen sollen. Während ein bestimmtes Maß an technischer oder personeller Ausstattung evtl. erforderlich ist, muss aber auch die Anschaffung kostspieliger Spezialmaschinen nicht unbedingt von Anfang an nötig sein. Und, hier betrifft es die innere Einstellung, ist Vorsicht geboten, wenn man sich bei den ersten Gründungsschritten als Unternehmer und Arbeitgeber sieht oder gar nach außen präsentiert, ohne die entsprechende unternehmerische Basis dafür geschaffen zu haben.

Lösung: Schritt für Schritt und planvoll vorgehen. Dafür kann der Businessplan eine geeignete Grundlage sein. Es ist wichtig, den Respekt vor einem möglichen Scheitern oder vor Durststrecken nicht zu verlieren. Auch erfolgreiche Start-ups scheitern, und zwar nicht all zu selten. Wer nicht millionenschwere Investoren an der Seite hat, sollte organisch wachsen und die einzelnen Phasen des Unternehmenswachstums bewusst durchleben.

Yvonne Kaiser

Yvonne Kaiser

Nach langjähriger Tätigkeit in Führungspositionen für eine der weltweit größten Airlines, hat Diplom-­Kauffrau Yvonne Kaiser ihre Leidenschaft für das Akademische Schreiben zum Beruf gemacht und ist seit 2008 als freie Autorin und Gründerin der Wissenschaftsberatung „Die wissen’s!“ sowie seit 2014 mit dem Beratungs- und Coachingunternehmen KeyConcept erfolgreich am Markt etabliert. Ihr Produktportfolio reicht von der akademischen und Unternehmensberatung, über Persönlichkeits- und Businesscoaching bis zur wissenschaftlichen und nicht wissen-­‐ schaftlichen Texterstellung für höchste Ansprüche.
Yvonne Kaiser

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